Troubles in der Kooperation
Der ganz normale Alltag: In fast jeder Kooperation kommt es auch mal zu Schwierigkeiten.
- Im Zuge der Antragstellung für eine Förderung liefert ein Partner die versprochen Unterlagen in mangelnder Qualität verspätet ab.
- Eine Partnerin fährt auf Urlaub, ohne die anderen Partner zu Informieren.
- Die erstellte Datenbank weist erhebliche Mängel auf und die Schuld wird jeweils auf die andere Person geschoben.
- Die erbrachten Leistungszeiten im Rahmen eines gemeinsam abgewickelten Auftrags sind weitaus größer als die vom AuftraggeberInnen bezahlten Honorare abzu-decken vermögen.
Nun wird jede Seite ihre Sachargumente einbringen und damit häufig Unverständnis auf der jeweils anderen Seite auslösen. Dies ist die Basis für Konflikte. Je nach Temperament und der Bedeutung des Themas für den/die PartnerIn wird der Konflikt nun „dahinköcheln“ oder offen ausbrechen.
Ursachenforschung
Entgegen der häufigen Annahme, dass inhaltliche Fragen nicht ausreichend geklärt sind oder ein/e der PartnerIn etwas nicht tun will, zeigt eine vertiefende Befragung der Kooperations-partnerInnen häufig, dass deren Zielvorstellungen und Ergebniserwartungen nicht miteinander vereinbar waren bzw. sind. Daraus entstehen dann früher oder später Spannungen und Konflikte, die sich auch auf der Sachebene „zeigen“.
Verträge richtig verstehen!?
Beispielsweise entstehen manchmal unvereinbare Auffassungen über die vertraglichen Grundlagen. Eine Partnerin sieht im Kooperationsvertrag eine umfassende Gesamtregelung, der andere Partner einen Rahmen, der erst im Verlauf der Zusammenarbeit mit Inhalten gefüllt und ggf. geändert werden muss.
Unterschiedliche Werte!?
Oder manchmal wird die Zusammenarbeit erschwert durch Unterschiede, die auf kulturellen Prägungen im Herkunftsland der KooperationspartnerInnen beruhen. Etwa betreffend die verschiedenen Vorstellungen über Pünktlichkeit bei einem Treffen oder über den Ablauf von Verhandlungen.
Lösung für Konflikte
Vermeidung:
Die PartnerInnen gehen sich aus dem Weg und schieben die Auseinandersetzung auf. Manchmal eine Lösung, wenn es sich um eine Frage handelt die keiner Seite besonders wichtig bzw. nicht dringend ist. In anderen Fällen wächst der Ärger weiter an und erschwert die Lösung des Konflikts.
Ausstieg:
In manchen Situationen werfen KooperationspartnerInnen das Handtuch nach dem Motto: “Das konnte ja nicht gut gehen!“ und steigen aus der Kooperation aus. Hier sind die „Kosten“ auf beiden Seiten vermutlich hoch und der Ärger bleibt unbearbeitet. Die PartnerInnen gehen einander zukünftig aus dem Weg. Manchmal folgt dem Ausstieg auch eine gerichtliche Auseinandersetzung, die zwar eine Entscheidung herbeiführt (meist erst nach langer Zeit) jedoch keine für beide Seiten befriedigende Lösung erreicht.
Auseinandersetzung:
Den Konflikt anzusprechen erfordert Mut und stellt eine menschliche Herausforderung dar. Der wichtigste Schritt dahin ist, sich die eigenen Gefühle einzugestehen und sie anzunehmen. Dann kann man üben, sie auch auszudrücken - gewaltfrei und ohne jemand anderem die Schuld daran zu geben. Statt "Du machst mich wütend" sollte es heißen: "Ich bin wütend" - ein kleiner aber bedeutsamer Unterschied in der Kommunikation. Weitere Hinweise siehe Richtig argumentieren!
Wichtig ist es, in jedem Konflikt das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: die durch den Konflikt blockierte Handlungsfähigkeit der PartnerInnen soll wieder hergestellt werden war und ein als von beiden Seiten als „gerechter“ empfundener Ausgleich wird gesucht zu dem später alle stehen können.
Gelingt dies, dann konnten die Gefühle von Wut und Ärger „heraus“ und brauchen nicht weiter versteckt zu werden. Kein/e PartnerIn verliert das Gesicht - es wird niemand verletzt und es gibt keine VerliererInnen!
Realismus ist gefragt:
Am besten wäre es natürlich, wenn Konflikten überhaupt vorgebeugt und diese nicht entstehen würden. Dieser Wunsch ist zwar verständlich, aber nicht sehr realistisch. Im Gegenteil, bewältigte Konflikte tragen meist zum Klima einer Kooperation Wesentliches bei. Die Kooperation wird nach einem bewältigten Konflikt als „emotional dichter“ empfunden und in der Folge auch belastbarer sein. Die PartnerInnen kennen einander nun besser, wissen, wo „schwierige“ Stellen sind und wie sie damit umgehen können.
Streiten will gelernt sein
Weil das manchmal schwerer ist als gedacht, macht es durchaus Sinn externe Hilfe beizuziehen. Mit Hilfe von professionellen BegleiterInnen sogenannten MediatorInnen lassen sich Konflikte besser regeln.
MediatorInnen werten und urteilen nicht. Sie treffen keine Entscheidungen. MediatorInnen sind für den Prozess der Mediation verantwortlich und sorgen dafür, dass die begonnenen Gespräche in Gang bleiben. Lösungen werden von den Streitparteien selbst - unter Anleitung der MediatorInnen - erarbeitet. Mediatorinnen und Mediatoren sowie weitere Informationen finden Sie in der MediatorInnenliste des Justizministerium.


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